WANDERN IST DIE EINFACHSTE
und reduzierteste Form des Unterwegs-Seins. Diese Nüchternheit gefällt mir. Alle Ablenkung rückt in den Hintergrund, man ist auf eine eigentümliche Art auf sich selbst geworfen und gleichzeitig von einer urtümlichen Freiheit umgeben. Für mich tragen Berge in ihrer Freiheit, Wildheit, Standhaftigkeit und Sanftheit etwas Spirituelles, dabei auch auf eindrückliche Weise etwas Väterliches in sich. Sie weisen über sich selbst hinaus - mich faszinieren sie seit meiner Kindheit. Als junger Erwachsener wurden Wanderungen zum Vehikel meiner psychischen Gesundheit. In diesen Zeiten der Abgeschiedenheit suchte ich das Gespräch mit Gott. Bei ihm, als meinem väterlichen Berg, fand ich Heimat und Identität. Er wurde mir zu jenem Gegenüber, das mein Vater mir nicht sein konnte. Bis heute zieht es mich in die Berge, wenn meine Seele sich hilflos und verloren anfühlt. Im Gehen kann ich Belastendes hinter mir lassen und Schritte in eine neue Richtung einschlagen. Diese Atmosphäre erlebe ich als optimal, um meinem Herzen und dem Abenteuer seiner Geschichte nachzuspüren.
Glücklicherweise gab es auch in meinem Leben Männer, die mir zu väterlichen Freunden wurden. Dabei erlebte ich, dass gewisse Dinge nur im vertrauenden Sich-Einlassen, im Loslassen festgefahrener Gedankenwelten, heil werden können. Im Laufe der Jahre habe ich erfahren und durchlebt, dass ich nicht alles alleine können muss. Ein wunderbares, befreiendes Gefühl. Was ein Mann braucht, ist ein Gegenüber, Vertrauen, Kommunikation und… Berge. Komm, lass uns reden! Erzählst du mir deine Geschichte?
«Da wo die Wunde eines Mannes ist, wird auch sein Genius sein», schreibt Robert Bly. Dies ermutigt mich immer wieder von Neuem. Egal, wo du stehst. Ich begleite dich im Ankommen oder im Aufbrechen. Gemeinsam schauen wir vom Berg auf die Täler unseres Lebens.
Der Mensch lebt von der Wahrheit und von dem Geliebtsein, vom Geliebtsein durch die Wahrheit. Er braucht Gott, der Gott der ihm nahe wird und der ihm den Sinn des Lebens deutet und so den Weg des Lebens weist. - Joseph Razinger
